Grenzerfahrung beim Klettern auf den Riesenbaum bei Pemberton

Klettern auf den Riesenbaum bei Pemberton

Vor acht Jahren sind wir das erste Mal ehrfurchtsvoll vor den Riesenbäumen bei Pemberton im Südwesten von Australien gestanden. Die Aussicht von der Plattform, die 75 Meter über dem Grund und über der Baumkrone montiert ist, ist atemberaubend. Der Aufstieg über die Eisenstangen ist aber nichts für schwache Nerven oder Menschen mit Höhenangst. Damals habe ich den Aufstieg besser als erwartet geschafft. Aber werde ich den Aufstieg auch dieses Mal schaffen? Soll ich das Risiko überhaupt nochmals eingehen?

Na klar! Die Abenteuerlust packt mich schnell als wir vor dem riesigen Dave Evans Bicentennial Baum stehen und ehrfurchtsvoll dem dicken Stamm entlang in die Baumkrone schauen.

Die Riesenbäume in den Wäldern bei Pemberton

Insgesamt acht Bäume wurden zwischen 1937 und 1952 als Feuerwachtürme mit einer Aussichtsplattform versehen. Die Feuerwachtürme wurden genutzt, um Feuer in den Wäldern frühzeitig zu erkennen bevor 1972 Flugzeuge für diesen Zweck eingesetzt wurden. Noch heute gibt es in den Wäldern um Pemberton im Südwesten von Australien drei Bäume, die für die Besteigung freigegeben sind.

Das Klettern auf den Riesenbaum bei Pemberton ist nicht für Jedermann

Der Dave Evans Bicentennial Tree ist riesig und ist einer der Riesenbäume, der bestiegen werden kann. Dieser Baum wurde allerdings nicht als Feuerwachturm verwendet, sondern erst im Jahre 1988 zur Feier der 200-jährigen europäischen Besiedelung Australiens mit den Treppentritten versehen. Der Begriff Treppentritt ist allerdings fast schon übertrieben, denn es handelt sich hierbei einfach um Betoneisen, welche rund um den Baum eingeschlagen wurden und nun eine Art Wendeltreppe in den Himmel bilden.

Die Eisenstangen bilden eine Wendeltreppe auf den Riesenbaum bei Pemberton

Es gibt keinerlei Sicherung und ein Fehltritt oder ein ausrutschen auf einer der Eisenstangen kann verehrende Folgen haben. Bevor ich mich auf den anstrengenden Aufstieg mache, tausche ich Flip Flops gegen stabile Trekkingschuhe und schnüre diese gut, damit ich reichlich Halt habe. Eigentlich wird vom Tragen eines Rucksackes abgeraten, aber ich möchte auf jeden Fall meine Fotokamera mit dabei haben. So schnalle ich meinen Rucksack einfach so eng wie möglich auf den Rücken.

Am Fusse des Baumes sind die Eisenstangen noch sehr breit und da der Boden gleich unter mir ist, fühlt es sich sicher und vertrauenswürdig an. Das ändert sich aber sehr rasch, denn mit jeder Eisenstange entferne ich mich etwa einen halben Meter weg vom Erdboden. Mit jedem Tritt ändert sich auch die Aussicht in den Wald, da sich die Eisenstangen um den Baum winden. Die ersten Tritte gehe ich noch etwas zaghaft und ungewiss. Ich versuche mich immer mit mindestens einer Hand festzuhalten und einen möglichst guten Stand mit den Füssen auf den Eisenstangen zu haben.

Rasch finde ich aber einen regelmässigen Rhythmus. Schon bald habe ich den Riesenbaum das erste Mal umrundet und ich befinde mich schon einige Meter über dem Waldboden. Ich fühle mich sehr gut und die Höhe bereitet mir bis jetzt keine Probleme. Ich komme flüssig voran und geniesse die Aussicht in das grüne Buschwerk, das sich mit jedem Schritt verändert.

Auf etwa einem Drittel des Riesenbaumes gibt es auf 25 Metern eine Plattform zu der ich hochklettere. Die Aussicht von dieser Plattform ist schon ganz beeindruckend. Auf der Plattform warte ich, da von oben ein paar Leute auf dem Abstieg sind. Hier kann ich durchatmen und warten bis der Weg nach ganz oben wieder frei ist. Da ich mich sehr gut fühle, entscheide ich mich weiter zu klettern.

Auf der Plattform des Riesenbaums bei Pemberton

Nach 165 Eisenstangen und einigen Baumumrundungen erreiche ich die obere Plattform in der Baumkrone auf etwa 65 Meter Höhe. Ich bin sehr froh, wieder halbwegs stabilen Boden unter den Füssen zu haben. Denn je Höher ich geklettert bin, desto schmaler sind die Eisenstangen geworden und mit der Zeit ist es sehr anstrengend.

165 Eisenstangen führen auf den Riesenbaum bei Pemberton

Marcel auf dem Riesenbaum bei Pemberton

Allerdings bin ich noch nicht ganz am Ziel. Nun geht es über normale Leitern in einem Stahlaufbau über die Baumkrone des Baumes hinaus. Vier Leitern weiter befinde ich mich auf atemberaubenden 75 Metern Höhe und sogar über der Baumkrone des Riesenbaumes. Puh, das war ganz schön anstrengend. Die Aussicht ist gewaltig und der Aufstieg hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt.

Die Leitern auf dem Riesenbaum bei Pemberton

Im Metallkäfig auf dem Riesenbaum bei Pemberton

Ich bin ganz alleine auf der obersten Plattform und geniesse die traumhafte Aussicht über die Baumkronen. Wälder soweit das Auge reicht. Da es in letzter Zeit sehr viel geregnet hat, ist der Wald sehr gesund und die Blätter sehr grün. Ich kann mich kaum satt sehen.

Aussicht auf dem Riesenbaum bei Pemberton

Irgendwann muss ich dann den Weg über die vier Leitern und die 165 Eisenstangen in Angriff nehmen und ehrlich gesagt freue ich mich schon ein wenig auf einen sicheren Boden unter den Füssen. Hier oben auf 75 Meter fühle ich mich sehr verletzlich und die Plattform wiegt mit jedem Windstoss hin und her.

Die vier Leitern im Metallkäfig sind noch ganz einfach zu bewältigen. Ich fühle mich relativ sicher mit dem nächsten Zwischenboden nur wenige Meter unter mir. Doch nun stehe ich wieder auf der untersten Plattform des Aufbaus und durch das kleine Loch im Boden muss ich nun auf die Eisenstangen klettern.

Der erste Schritt ist bekanntlich der schwierigste und das kann ich einmal mehr bestätigen. Von der sicheren Plattform wieder auf die Eisenstangen zu steigen, ist nicht ganz einfach und ich muss mich zuerst dazu überwinden. Unweigerlich muss ich nach unten schauen und 65 Meter sind schon sehr hoch. Reni auf dem Waldboden scheint zum Stecknadelkopf geschrumpft und uns trennen 165 Eisenstangen.

Durch die lucke geht es wieder auf die Eisenstangen

Aber es bleibt mir ja nichts übrig und so klettere ich auf die oberste Eisenstange. Ich krieche durch die Lucke und nun geht es über die Eisenstangen langsam aber stetig wieder dem Erdboden entgegen. Zum Glück kommt mir auch beim Abstieg niemand auf den Eisenstangen entgegen, denn ein Kreuzen wäre sicher nicht ganz einfach.

So erreiche ich relativ rasch wieder die mittlere Plattform, verschnaufe kurz und mache mich dann auch schon wieder auf den letzten Teil des Abstieges. Unten wartet auch schon das Mittagessen auf mich. Erleichtert erreiche ich wieder festen Boden unter den Füssen und ich bin froh wieder sicher den Abstieg vom Riesenbaum geschafft zu haben.

Tipps für Wagemutige

Das Klettern auf den Riesenbaum ist definitiv nicht für Jedermann. Wer unter Höhenangst leidet, sollte den Aufstieg besser nicht in Angriff nehmen. Gute Schuhe sind sehr zu empfehlen und sämtliche Ausrüstung die du mitnimmst, solltest du gut festmachen.

Andere Attraktionen in der Umgebung von Pemberton

Der Gloucester Fire Tree

Der Gloucester Tree ist der zweithöchste Riesenbaum, der beklettert werden kann. Dieser Baum wurde 1947 als Feueraussichtsturm gewählt und mit Eisenstangen versehen. Die 153 Eisenstangen des Gloucester Trees führen auf eine Plattform in schwindelerregenden 61 Metern Höhe.

The Diamond Tree

Der Diamond Tree ist der Dritte der Riesenbäume, welcher beklettert werden kann. Dieser Baum wurde 1941 als Feueraussichtsturm gewählt und mit einer Holzaussichtsplattform versehen. Über 130 Eisenstangen kann auf 51 Meter Höhe geklettert werden.

Das Valley of the Giants im Walpole-Nornalup National Park

Im Valley of the Giants wurde zwischen riesigen Tingle Bäumen der 600 Meter lange Treetop Walk erbaut. Dieser Laufsteg durch die Baumkronen der riesigen Bäume verläuft auf einer Höhe von bis zu 40 Metern über Grund und tolle Aussicht in die Baumkronen des Waldes sind garantiert.

Tree Top Walk im Valley of the Giants im Walpole-Nornalup Nationalpark

Der Ancient Empire Walk im Walpole-Nornalup National Park

Vom Treetop Walk sind es nur wenige Meter zum Ancient Empire Walk. Dieser Weg führt durch einen alten Bestand von riesigen Red Tingle Trees (Eucalyptus Jacksonii). Viele der Bäume haben einen hohlen Stamm und durch diesen hier können wir sogar durchgehen.

Der Ancient Empire Walk im Walpole-Nornalup Nationalpark

Leidest du an Höhenangst oder würdest du auch gerne mal auf einen Riesenbaum klettern? Oder bist du auch schon mal auf den Riesenbaum bei Pemberton geklettert? Schreibe uns einen Kommentar mit deinen Erfahrungen.

 

4 Gedanken zu “Grenzerfahrung beim Klettern auf den Riesenbaum bei Pemberton

  1. iiiiii! Lieber Marcel, das ist bestimmt eine wunderschöne Aussicht und eine spannende Erfahrung! Ich wusste damals schon bei der zweiten Eisenstange des Gloucester Trees, dass dies nichts für mich ist. Mit meiner ziemlichen Höhenangst wäre mir wohl schon bald schwindlig geworden und wenn ich so vom Abstieg lese, ist das wohl noch die grössere Herausforderung… Da hätte ich wohl das eine oder andere Mal überlegt, oben zu bleiben 😉 Für mich war dann der Treetop Walk mit der entsprechenden (aber sicheren) Höhe schon Abenteuer genug… Liebe Grüsse, Miuh

    • Hallo Miuh,

      Also das Klettern auf die riesigen Bäume bei Pemberton ist wirklich nicht für Jedermann. Ich habe eigentlich keine Höhenangst, aber fühle mich auch nicht in allen Situationen in der Höhe immer nur gut. Kommt also immer auf die Situation an. Ich habe gelesen, dass noch nie etwas ernsthaftes passiert ist, dass es aber immer mal wieder Leute gibt, welche oben festsitzen und nicht mehr runter kommen. Meistens hilft dann aber gutes zureden und bisher sind alle wieder runter gekommen 😉

      Liebe Grüsse von Tom Price, Marcel

  2. Ui Marcel, da bist Du aber mega-mutig gewesen!!! Das wäre nichts für mich… Und ich halte gerade den PC weg, sodass der Reto das nicht sieht! 😉 ….sonst weiss ich welches unsere nächste Destination dann wäre: Pemberton, Riesenbaum!!! 😀 😀

    • Es braucht einfach ein bisschen Überwindung. Nach den ersten paar Tritten stellt sich meist heraus ob es geht oder nicht. Ich hab mich sehr gut gefühlt und bin ja dann auch wieder runter gekommen. 😉 Reto würde es sicher lieben. 🙂

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