Wie wir dem Buschfeuer in Tasmanien entkommen sind

Buschfeuer in Tasmanien

Rauchwolke der Buschfeuer in Tasmanien

Hast du schon einmal einen Waldbrand hautnah erlebt? Wir schon. Letzte Woche sind wir mitten in einem Buschfeuer in Tasmanien gelandet. Und es war ein unheimliches Erlebnis. Die Hilflosigkeit und die Angst nicht frühzeitig fliehen zu können ist wohl das Schlimmste daran. Genauso erging es uns einmal, als wir noch auf der kleinen Malediveninsel Komandoo gelebt haben. Eine Tsunami-Warnung ist uns genauso eingefahren wie die Buschfeuer in Tasmanien.

Der Tag hat eigentlich ganz normal angefangen. Frühstücken am Meer, einen Cappuccino im Küstenstädchen Strahan, weiter fahren und einkaufen in Queenstown. Doch dann sind wir plötzlich vom Buschfeuer in Tasmanien eingeschlossen.

Vom Buschfeuer in Tasmanien gefangen

Als wir den Shop verlassen, schauen wir uns um und entdecken eine ungewöhnliche Wolke hinter dem Hügel hervor kommen. Es ist eine Rauchwolke die bestimmt von einem Waldbrand kommt. Wir sind keine Experten aber der Geruch verrät, dass es sich um Feuer handeln muss. Wir sind beunruhigt, denn der Rauch kommt genau aus der Richtung in die wir weiter reisen. Aber nicht nur das, auch aus dem Osten kommt Rauch.

Queenstown

Der Rauch in Queenstown kommt von einem Buschfeuer. Der Himmel verfärbt sich langsam grau-braun. Kein gutes Zeichen.

Es ist wohl besser, wenn wir so schnell wie möglich von hier verschwinden. Wir wollen nicht in Queenstown stranden. „Marcel, lass uns gehen“, sage ich. “Ja, das ist eine gute Idee. Wir fahren besser weiter, bevor noch die Strassen wegen des Buschfeuers geschlossen werden“, meint Marcel. Wir verlassen Queenstown und fahren Richtung Derwent Bridge, dem Ausgangpunkt zum südlichen Teil des Cradle Mountain und Lake St Clair National Park. Ausserhalb der Minenstadt Queenstown gibt es noch den sehenswerten Iron Blow Lookout. Wir stoppen kurz und haben von hier oben einen guten Überblick auf die Umgebung. In der Ferne sehen wir dann auch den Rauch aufsteigen, der leider genau aus der Richtung kommt, wo wir hin wollen. Wir sprechen zwei Australier an, die gerade über Buschfeuer in der Umgebung reden. Wir erfahren, dass die Strasse bis Derwent Bridge wegen Feuer geschlossen ist. Das ist zwar nicht was wir hören wollen, aber was soll man machen. Schliesslich geht die Sicherheit vor.

Schwierige Entscheidung. Wohin sollen wir flüchten?

Planänderung. In den Südosten reisen ist nicht möglich. Strasse gesperrt. In den Westen reisen ist keine Option und so bleibt uns nur der Norden. Das heisst zurück fahren, wo wir vor zwei Tagen hergekommen sind. Na gut. So fahren wir zurück nach Queenstown. Die Luft in der Stadt ist bereits von Rauch erfüllt und der Himmel hat sich in ein gelbgrau verwandelt. Es fühlt sich an wie im Horrorfilm. Ja, es ist definitiv Zeit zu gehen. So fahren wir den gleichen Weg zurück Richtung Norden. Anfangs ist die Luft etwas rauchig, je weiter wir fahren wird der Rauch aber immer dichter. Wir sind beunruhigt. Hoffentlich fahren wir nicht ins nächste Feuer. Die Gegend ist unbewohnt und es kommen uns nur sehr sporadisch andere Autos entgegen. Aber immerhin gibt es andere Autos, das heisst, die Strasse ist befahrbar.

“Fühlst Du Dich wohl”, frage ich. “Nein, nicht wirklich. Was mich am meisten beunruhigt ist, dass wir keine Ahnung haben aus welcher Richtung das Feuer kommt. Ich fühle mich eingeschlossen“, sagt Marcel. Es ist wie im Film. Wir fliehen vor Buschbränden, was ziemlich unheimlich ist. Aber immerhin können wir fliehen. Nun kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie es sich anfühlt mit der Angst zu leben, bei einem Buschfeuer alles zu verlieren.

Im Moment fühle ich mich sehr privilegiert fliehen zu können. Wir sitzen einfach ins Auto und fahren los. Und genau das machen wir. So rasen wir 50 Kilometer durch unbewohntes Land bis die Luft endlich wieder klarer wird. Bald sehen wir auch wieder das Blau des Himmels. Eine Erleichterung. Wir haben es geschafft. Wir sind vor den Buschfeuern entkommen. Und der Tag hat doch so normal angefangen.

Wir sind in Sicherheit. Wie geht es weiter?

Am nächsten Tag fühlen wir uns ein bisschen verloren. Wir sind in Sheffield, einer Kleinstadt im Norden und haben keinen Plan. Als wir gestern vor dem Feuer geflohen sind war für uns klar, dass wir zuerst den Nordosten bereisen. Heute sieht das Ganze nun anders aus. Erstens sind wir überhaupt nicht auf den Osten vorbereitet uns zweitens macht es für uns mehr Sinn, zuerst in Südwesten zu fahren. Wir entscheiden uns also für den Südwesten.

Bevor wir aber losfahren, wollen wir uns noch über die aktuellen Waldbränden und Strassensperrungen informieren. So gehen wir ins Fudge ‚n’good Coffee in Sheffield – hier gibt es gratis WIFI und superfeinen Cappuccino – und finden auf der Homepage der Tasmanischen Polizei und der Feuerwehr die nötigen Informationen. Und zum Glück haben wir uns informiert, denn die Strasse die wir bis nach Derwent Bridge nehmen wollten, ist wegen Feuer geschlossen. Dafür ist der Lyell Highway, der gestern gesperrt war, wieder offen. So müssen wir zwar denselben Weg bis Queenstown zurück fahren, aber besser als den ganzen Plan wieder ändern.

Lake Burbury

Der Wald hinter dem Lake Burbury brennt. Die Buschfeuer kommen dem Cradle Mountain und Lake St Clair Nationalpark sehr nahe.

Bei der Recherche lesen wir zudem von der aktuellen Situation. Gestern wurden über 30 Buschfeuer gemeldet und im Gebiet Lake Burbury, das wir durchfahren wollten, ist eine Fläche von 2200 Hektaren Wald zerstört worden.

Lyell Highway

Über Nacht haben 2200 Hektaren gebrannt. Wir fahren auf dem Lyell Highway, der am Vortag wegen dem Feuer gesperrt war.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an, den gleichen Weg wieder zurück zu fahren, wo die Luft gestern noch voller Rauch erfüllt war. Wir erreichen Queenstown am frühen Nachmittag, wo alles wieder ganz normal aussieht. Die Atmosphäre hat sich wieder normalisiert und der Himmel ist wieder klar. Auf der Weiterfahrt stoppen wir wieder beim Iron Blow Lookout. Von hier oben können wir genau erkennen, wo das Feuer gewütet hat. Es qualmt noch immer und das Grün der Bäume hat sich in Schwarz verwandelt. Auf der Weiterfahrt kommen wir zuerst durch den gesunden Wald. Plötzlich verändert sich jedoch das Bild in eine trostlose Landschaft. Auf beiden Strassenseiten sind die Bäume schwarz, der Boden grau und mit Asche übersät und überall qualmt es noch. Ein krasses Bild. Feuer kann so zerstörerisch sein. Kein Wunder, war der Highway gestern gesperrt. 2200 Hektaren Wald wurden gestern genau hier zerstört. Traurig die Dimensionen der Zerstörung zu sehen. Und unheimlich zu sehen, was Feuer in so kurzer Zeit anrichten kann.

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