Canning Stock Route – Aufregendes Abenteuer mit einem Zwischenfall

Start Canning Stock Route

Wie kommt Mann bloss auf die Idee, die einsamste Strecke der Welt fahren zu wollen? Als Marcel vor acht Jahren zum ersten Mal von der Canning Stock Route schwärmte, hat es mir die Kehle zugeschnürt. Es war nicht Angst, die ich vor dem Offroad Track hatte, sondern riesigen Respekt vor der 1‘850 km langen Piste, die durch einsamstes Gebiet führt. Ein Strand- oder Tauchurlaub wär doch viel schöner, dachte ich mir damals. Heute weiss ich, die Canning Stock Route ist etwas ganz besonderes. Und zum Glück habe ich zum Abenteuer CSR „Ja“ gesagt.

Die Canning Stock Route ist eines unserer grössten Outback Abenteuer, dass wir je unternommen haben. Ist es nicht gewaltig, dass es eine einspurige Strasse durch die Wüste gibt, wo wir auf fast 2‘000 km durch die Natur fahren können? Stell dir vor, kein einziges Gebäude sondern nur Natur und das auf einer Strecke von Genf bis Gibraltar. Ist doch Wahnsinn.

Was und wo ist die Canning Stock Route?

Die Canning Stock Route (CSR) ist eines der grossen Abenteuer in Australien. Vielleicht sogar eines der Grössten überhaupt. Die historische Viehstrecke führt durch abgelegenes und einsames Outback Westaustraliens und zwar durch die Gibson, die Great Sandy und die Little Sandy Wüste. Auf den fast 2‘000 Kilometern gibt es zwar keine Stadt, dafür abwechslungsreiche Natur aus Sanddünen, riesige Flächen die mit Spinifexgras überdeckt sind, Wüsteneichenwäldern, Salzseen aber auch Tiere wie Echsen, Vögel und Dromedare. Auch der Track ändert sich ständig. Mal sandig, mal steinig, mal holprig, mal soft. Etwas das sich nicht ändert und uns auf der gesamten Strecke begleitet ist Wellblech. Es rüttelt und schüttelt und so ist unsere Durchschnittsgeschwindigkeit gerade mal 22 km/h. Und das während 21 Tagen.

Die Canning Stock Route ist für uns abenteuerlich, aufregend und emotional

Die einsamste Strecke der Welt zu fahren, mag alles andere als reizvoll klingen. Was es jedoch in der Wüste alles zu entdecken gibt, hat uns ganz schön umgehauen. Die Canning Stock Route ist nicht nur landschaftlich gigantisch und total abwechslungsreich, sondern auch der Track. Die einspurige Piste, die fast 2‘000 km durch die Landschaft führt, ist alle paar Meter für eine Überraschung gut. So ist hinter dem Steuer volle Konzentration gefordert.

Aber nicht nur der Track ist anspruchsvoll, sondern auch die drei Wochen weg von der Zivilisation. Drei Wochen ohne Internet haben wir gut geschafft und doch, nach einer gewissen Zeit vermissen wir dann schon den Kontakt zur Aussenwelt. Zudem sind wir uns ja so gewohnt, alles mal schnell im Internet nachzuschauen. Was wenn es kein Google und Co. gibt? Dann heisst es Gehirnzellen anstrengen oder sich die Frage aufschreiben. Uns hat es auf jeden Fall gut getan einmal ohne Internet zu sein.

So haben wir uns auf das Zusammensein konzentriert, viel geredet, am Lagerfeuer Geschichten ausgetauscht, Sternen geguckt, Sternschnuppen gezählt und die Natur genossen. Ganz ehrlich, eigentlich hatten wir ja gar keine Zeit Online zu sein. Eine grossartige Erfahrung.

Das genialste ist, dass wir die Canning Stock Route gemeinsam mit unseren Freunden Conny und Roger erleben dürfen. Zusammen macht das Abenteuer CSR doppelt soviel Spass und sicherer ist es auch.

Gewisse Dinge sind einfach unvorhersehbar

Bevor wir gestartet sind, haben wir uns einige Fragen gestellt. Wird unser Fahrzeug die Wellblechhölle und die ausgewaschene Strecke überstehen? Wie kommen wir mit der Einsamkeit aus? Reicht das Trinkwasser für 21 Tage? Was, wenn wir von einer Schlange gebissen werden? Sind wir gut genug für die Canning Stock Route vorbereitet? All diese Sorgen waren unbegründet.

Unsere Fahrzeuge haben die Canning Stock Route perfekt geschafft. Sie haben uns keine Sekunde im Stich gelassen. Einsam war die Canning Stock Route auch nicht. Einerseits weil wir ja zu viert unterwegs sind und zudem sind wir täglich 1-2 Gruppen begegnet. Da gibt es doch noch einsamere Strecken in Australien, wo man tagelang keiner Menschenseele begegnet. Schlangen sind wir ebenfalls keiner begegnet, dafür haben wir aggressive Bienen, wir haben sie dann Killerbienen genannt, getroffen. Auch die Bedenken wegen dem Wasser waren unbegründet. Einige der Brunnen führen Wasser, teils sogar in Trinkqualität. So hat es auch an der täglichen Dusche nicht gefehlt.

Und dann ist doch etwas passiert. Etwas, dass keiner von uns dachte. Ein medizinischer Notfall. Mitten auf der Canning Stock Route. Es trifft Conny. Es ist ihr Auge. Zum Glück haben die Beiden ein Satellitentelefon dabei und können so ihren Vertrauensarzt in der Schweiz kontaktieren. Sie muss so schnell wie möglich zum Augenarzt. Nur, auf der Canning Stock Route gibt es kein schnelles irgendwohin kommen. Wir sind mindestens vier Tagesreisen vom nächsten, winzigen Ort entfernt. Da gibt es nur eins, sie muss ausgeflogen werden. Zum Glück gibt es in Australien die Royal Flying Doctor Services (RFDS). Wir rufen sofort an und es dauert nicht lange und wir haben einen Arzt am Draht. Auch dieser bestätigt nach Beschreibung der Symptome, es ist ein Notfall und Conny muss so schnell wie möglich nach Perth.

„Wo ist die nächste Landepiste“, fragt der Arzt. Wir wissen es nicht. Der Arzt sagt mit ruhiger Stimme: „Ich kläre die Details ab und rufe so schnell wie möglich zurück“. Das Warten auf den Rückruf fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Es klingelt. Die nächste Landebahn ist in 4-5 Stunden Fahrzeit erreichbar. Der Arzt vom RFDS bestätigt uns, dass ein Rettungsflugzeug auf den nächsten Tag organisiert ist. Wir werden angewiesen keinesfalls nachts auf der CSR zu fahren. Es ist zu gefährlich. So vereinbaren wir, dass wir bei Sonnenaufgang losfahren und auf dem Weg unsere Position durchgeben.

Wir fahren, zügig und doch langsam genug, dass wir nicht noch einen Unfall bauen. Um die Mittagszeit sind wir da. Vor uns eine grosse, staubige Fläche. Die Landepiste der Glen Ayle Station. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Das Flugzeug der RFDS ist im Anflug, schnell verabschieden wir uns von Conny, wünschen ihr viel Glück und Kraft und schon fliegt die Pilatus, ein Schweizer Flugzeug, über unsere Köpfe hinweg Richtung Perth.

Wir stehen da. In uns eine gewaltige Leere. Wir können die Tränen nicht zurückhalten. Das ist ein krasser Abschied. Irgendwie fühlen wir uns wie im Film. Es geht alles so schnell. Wo wir uns wohl das nächste Mal wiedersehen? Auf jeden Fall nehmen wir Conny im Herzen mit und reisen die Canning Stock Route zusammen bis zum Schluss.

In dieser Nacht gibt es ein paar Tropfen Regen. Der Himmel weint. Also ich glaube, das ist ein Zeichen von oben weil wir nicht mehr komplett sind und die Canning Stock Route ohne Conny zu Ende fahren.

Die letzten drei Tage auf der CSR sind landschaftlich schön, aber Conny fehlt uns natürlich ganz gewaltig. Wir denken viel an sie, drücken fest die Daumen, hoffen auf Besserung und wünschen uns, dass alles gut kommt. Einmal mehr wird uns so richtig bewusst, wie wichtig die Gesundheit ist.

Am 4. September, genau 21 Tage später, endet unser Abenteuer Canning Stock Route. Plötzlich sind wir zurück in der Zivilisation. Zum Glück ist Wiluna nur ein kleiner Ort und der Kulturschock hält sich in Grenzen. Auch wenn es nur eine Tankstelle, einen Shop und eine öffentliche Toilette im Ort gibt, es ist wie ein kleines Paradies. Hier gibt es nämlich Diesel, Trinkwasser, Gemüse, Früchte und Magnum Eis.

Wir sind überglücklich und unglaublich dankbar, die Canning Stock Route zu viert unter die Räder genommen haben. Dass wir dieses Abenteuer erleben durften, ist ein Geschenk. Wir haben nicht nur drei geniale und abwechslungsreiche Wochen inmitten der Natur verbracht, sondern auch neue Freunde gewonnen.

Canning Stock Route – Streckenbeschrieb und Tagebuch

Unser Trip durch die Wüste ist alles andere als langweilig. Kein Tag ist wie der andere, vorallem nicht auf der Canning Stock Route. Lass dich überzeugen und komm mit auf die Reise durch das faszinierende Outback.

Sternenhimmel Tanami Road Australien

Tschüss Zivilisation – Hallo Natur

Am 14. August ist es doch tatsächlich soweit. Zusammen mit Conny und Roger, Freunden aus der Schweiz, gehen wir in Halls Creek die letzten Lebensmittel einkaufen und ein letztes Mal ins Internet. Was für ein komisches Gefühl, es folgen drei Wochen ohne Internet. So lange waren wir vermutlich noch nie Offline, seit es das Internet gibt.

Es macht sich ein Kribbeln im Bauch breit. Jetzt beginnt das Abenteuer, von dem wir schon so lange geredet haben.

Tag 1 – Streckenabschnitt Billiluna bis zur Lagoon – 87 km

Track Canning Stock Route

Der Track ist breit und rund um uns gibt es nur Spinifex Gras. Die grossen Grasfelder leuchten im Sonnenlicht und lassen uns die mühsame Wellblechpiste schnell vergessen. Wir fahren auch durch die erste ausgetrocknete Lehmpfanne. Bäume gibt es nur wenige. Auf der Fahrt zur Well 51 sind noch keine Sanddünen zu überqueren.

Well 51 auf der Canning Stock Route

Rund 50 km südlich von Billiluna wird der Track schmaler und nach 78 km folgen die ersten Sanddünen. Die Dünen sind griffig und einfach zu bewältigen.

Highlight des Tages: Ein Magnum Eis in Billiluna

Übernachtung beim Lagoon Camp
GPS Koordinaten: S 20°5‘56“ O 127°10’23“

Tag 2 – Streckenabschnitt Lagoon bis Mount Ernest – 73 km

Der Track ist einspurig und schmal. Spinifex dominiert die Landschaft und Strassenabschnitte mit krassem Wellblech. Ausweichen ist leider unmöglich, der Track ist zu eng. Wir wurden vorgewarnt. Das Einzige was uns auf der gesamten CSR begleiten wird, ist das Wellblech. Da müssen wir wohl durch.

6.5 km südlich von der Lagoon erreichen wir bereits Well 51. Das Windrad ist sehr schön und in gutem Zustand. Marcel und Roger ärgern sich, dass wir nicht hier übernachtet haben. Das Windrad wäre ein super Motiv für tolle Fotos bei Sonnenuntergang.

Der Brunnen führt Wasser, aber es sieht schlammig aus. Zudem pumpt das Windrad nicht mehr.

Den Abstecher zur Well 50 lassen wir sein. Gemäss unseren Unterlagen ist vom Brunnen praktisch nichts mehr übrig und Wasser gibt es dort auch keins.

Der Track führt weiter durch Dünenlandschaft. Wir fahren an den Dünen entlang und plötzlich verändert sich die Landschaft wieder. Es gibt vermehrt Buschwerk und einige enge Stellen mit überhängenden Ästen die schön unser Auto zerkratzen.

Wir erreichen die Well 49. Eine unerwartete Oase. Hier gibt es eine Blechhütte mit Schatten, Toiletten und sogar einer Dusche mit fliessend Wasser. Wow! (Trink)Wasser ebenfalls vorhanden. Qualität wissen wir nicht, aber wenn wir es abkochen, ist es auch sicher zum trinken.

Weiterfahrt wird rauer. Viel Wellblech und raue, steinige Stellen. Nächster Stopp am Mount Ernest.

Aussicht Mount Earnest CSR

Highlight des Tages: Bei der Well 49 gibt es eine richtige Dusche

Übernachtung Mount Ernest
GPS Koordinaten: S 20°10‘1“ O 126°34‘1“

Tag 3 – Streckenabschnitt Mount Ernest bis Well 46 – 85 km

Mount Ernest auf der Canning Stock Route

Die Landschaft wird immer schöner mit Hügelketten in sanften Pastellfarben. Es ist sehr windig. Wir stoppen bei Well 48, übrig sind aber nur noch Ruinen und verrostete Fässer. Wasser gibt es hier keins.

Der Track wird sandiger und wieder sind wir umgeben von Spinifex Gras. Im Funk hören wir, dass andere Fahrzeuge in der Nähe sind. Wir melden unsere Position und so erfahren wir, dass uns vier Fahrzeuge entgegenkommen. Ein ausgewanderter Schweizer ist mit dabei.

Es geht weiter mit Wellblech, sodass wir nicht vergessen wie es ist. Wieder Gegenverkehr. Diesmal sind es zwei Motorradfahrer, vollbepackt mit Treibstoff, Wasser, Lebensmittels und Schlafsack.

Wir überqueren kleinere Sanddünen und es wird farbiger. Violette Büsche wachsen im roten Sand. Wieder hören wir im Funk Stimmen anderer Reisender. Eine Tourgruppe kommt uns entgegen. Als wir uns kreuzen, werden wir heute bereits zum zweiten Mal gefragt: „Can you jodle?“ Scheint als ob alle denken, dass wir Schweizer alle jodeln können.

Sandduene auf der Canning Stock Route

Die Canning Stock Route wird je länger je sandiger. Was ist bloss los, es kommen weitere drei Fahrzeuge entgegen. Die CSR ist ja gar nicht so einsam, wie wir geglaubt haben. Oder ist das eine Ausnahme?

Der Track ist abwechselnd steinig und sandig und es gibt viele Kurven und Büsche. Wir verzichten darauf, zur Well 47 zu fahren. Anscheinend ist der Brunnen ausgetrocknet. Es folgen ja noch 46 andere Wells, die wir uns anschauen können.

Die Dünen werden mehr und höher. Der Sand ist griffig und wir kommen gut rüber. Die Dünenabfahrten sind extrem ausgefahren und wir werden ganz schön durchgeschüttelt.

Highlight des Tages: Ein rennendes Dromedar

Dromedar auf der Canning Stock Route

Wir campen bei der Well 46. Der Brunnen führt Wasser, nicht zum Trinken aber super zum Duschen. Das Wasser gefällt auch den Bienen und Wespen.

Übernachtung bei Well 46
GPS Koordinaten: S 20°38‘30“ O 126°17‘15“

Tag 4 – Streckenabschnitt Well 46 bis Well 43 – 100 km

Gleich zu Beginn des Tages folgen viele Kurven. Die Fahrt führt durch Buschland, steinige und sandige Passagen wechseln sich ab.

Von der Well 45 sind nur noch Ruinen übrig geblieben und so gibt es für uns keinen Grund länger hier zu verweilen. Es gibt auch wieder Sanddünen zum überqueren, diese gehören inzwischen zum Alltag.

Wir kommen langsam voran und unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 23 km/h. Als wir den Gravity Lake vor uns sehen, können wir nicht anders als jubeln. Vor uns eine ausgetrocknete braune Fläche über die wir mit fast 50 km/h drüber schweben. 50 km/h fühlt sich gerade an wie im Normalfall 120 km/h auf der Schweizer Autobahn.

Gravity Lake auf der Canning Stock Route

Auch heute sind wir nicht alleine auf der CSR unterwegs. Wir begegnen zwischen zwei Sanddünen drei Fahrzeugen mit Campinganhängern. Da wir nur zwei Fahrzeuge sind, weichen wir aus.

Die Dünen sind bewachsen und es ist schon fast eine Farbenexplosion. Gelbe und violette Büsche dominieren die Landschaft.

Wir stoppen bei Well 44, aber auch hier sind nur noch Überreste des Brunnens vorhanden. Zwischen Well 44 und 43 begegnen wir erneut zwei Fahrzeugen. Ist ganz schön was los auf dem Track. Und Action gibt es auch, denn es gibt praktisch nur noch Dünen zu überqueren. Eine nach der andern. Hochfahren ist einfach, aber hinten runter sind die meisten Dünen total ausgefahren. Es schaukelt ganz schön.
Dafür werden wir mit wunderschönen Wildblumenfeldern belohnt. Können uns von der Schönheit der Landschaft kaum satt sehen.

Rote Sandduene auf der Canning Stock Route

Wildblumen auf der Canning Rtock Route

Übernachtung bei Well 43
GPS Koordinaten: S 21°12‘45“ O 125°59‘7“

Highlight des Tages: Sanddünen wie in der Simpson Desert und ein Meer von Wildblumen

Tag 5 – Streckenabschnitt Well 43 bis Well 41 – 78 km

Piste Canning Stock Route

Nachts ist es unglaublich ruhig. So erwachen wir erholt und mit neuer Energie. Die brauchen wir auch, denn es geht gleich weiter mit Sanddünen bis zum Guli Lake.
Begegnen fünf Fahrzeugen. Es scheint als ob viele die Canning Stock Route von Süd nach Nord fahren.

Was für eine Abwechslung. Auf dem Guli Lake können wir wieder mal Gas geben und 50 km/h fahren. Der Guli Lake ist ein Salzsee, der mit vielen Büschen bewachsen ist. Kein typischer Salzsee der einfach nur weiss ist.

Kurzer Boxenstopp bei Well 42. Wasser gibt es keins, dafür eine Blechsäule mit einem Skelett drauf.

Zwischen Well 42 und 41 gibt es wieder viele Dünen zu überqueren. Die Sanddünen werden immer höher und schwieriger, da die Anfahrt meist schräg und um die Kurve erfolgt. Macht Spass ist aber auch ganz schön anstrengend. So schaffen wir heute nur 78 km.

Übernachtung bei Well 41
GPS Koordinaten: S 21°33‘13“ O 125°51‘37“

Highlight des Tages: 50 km/h fahren auf dem Guli Lake

Tag 6 – Streckenabschnitt Well 41 bis Well 37 – 110 km

Fotografieren auf der CSR

Was für ein Tag. Dünen, Dünen, Dünen. Wir Frauen haben ganz schön zu tun. Die Dünen sind spektakulär und das müssen wir natürlich fotografisch und filmisch festhalten. Auch die Wildblumenfelder sind traumhaft schön. Wahnsinn, wie farbig die Wüste sein kann.

Wir erreichen die Abzweigung zur Well 40 (2.8 km) und zum Michael Tobin Grab (3.2 km).

Lake Tobin auf der Canning Stock Route

Kompletter Landschaftswechsel. Wir stehen vor dem riesigen Lake Tobin und Yeah! Ganze 10 km können wir mit 50 km/h über den Salzsee düsen. An der Spur ist gut erkennbar, dass wir hier über einen Salzsee fahren. Wir sind erstaunt, dass so viele Pflanzen bei diesen Bedingungen überleben können.

Auf der Südseite des Lake Tobin gibt es tolle Plätze zum Campen oder eine Rast machen.

Bei Well 39 sind nur noch Ruinen vorhanden, aber es gibt Wasser. Vögel und Bienen freuen sich darüber. Die Well 38 besteht aus einem ausgetrocknetem Brunnen.

Zwischen Well 38 und 39 überqueren wir die höchsten und längsten Dünen. Dies ist während unseres Trips der schwierigste Teil der CSR. Der Sand ist weich und die Dünen total ausgefahren. Schon von weitem sehen wir die tiefen Löcher an der Düne. Beim hochfahren kommen unsere LandCruiser ganz schön ins Schaukeln. So verlieren wir an Kraft und bleiben mittendrin stehen. Auch die nächsten zwei Versuche scheitern. Ob mit tiefer Übersetzung und viel Kraft oder Anlauf holen und schneller fahren, es klappt nicht. Wir kommen einfach nicht über die Düne. Da gibt es nur noch eins, den Reifendruck nochmals reduzieren. Marcel ist voll konzentriert und fährt im zweiten Gang langsam die Düne hoch. Unser LandCruiser muss ganz schön schuften. Etwas mehr Gas und diesmal klappt es. Wir sind oben. Glücklich und zufrieden suchen wir uns jetzt einen Schlafplatz.

In der Nähe von Well 37 gibt es einen traumhaft schönen Platz zum Campen. In einem Wald voller Wüsteneichen lassen wir den Tag Revue passieren.

Das war einer der anspruchsvollsten und härtesten Tage bis jetzt.

Übernachtung beim Casuarina Buschcamp
GPS Koordinaten: S 22°9‘11“ O 125°27‘30“

Highlight des Tages: Anspruchsvolle, hohe Düne erklommen

Tag 7 – Casuarina Buschcamp (Well 37) bis Well 33 – 92 km

Wir sind überwältigt, wie sich die Landschaft immer wieder ändert. Die Fahrt durch den Wald von Wüsteneichen ist einmalig.

Sanddünen gehören inzwischen zum Alltag. Wir fahren auf und über Dünen und werden aufs Gröbste durchgeschüttelt.

Bei Well 36 ist zwar noch Wasser vorhanden, es sieht aber alles andere als trinkbar aus. In der Broschüre lesen wir, dass die Well 35 eine heilige und wichtige Stätte der Eingeborenen ist. Der Zufall will es, das wir bei Well 35 tatsächlich auf eine Gruppe Aborigines treffen. Sie haben alle einen Zweig in der Hand und gehen andächtig zur Quelle.

Ein krasser Tausch. Statt Dünen gibt es Wellblech. Das Land wird flacher und wir schleichen über die einspurige Wellblechpiste. Die 40 km bis zur Aboriginal Community Kunawarriji sind rau, holprig und eine Nervenprobe.

Wir erreichen schliesslich die Well 33, wo es einen grossen Wassertank mit Trinkwasser gibt. Das Wasser wird von einem Windrad aus der Tiefe an die Erdoberfläche gepumpt. Eine Oase in der Wüste.

Verlust heute: 1 Milch. Durch das viele schütteln ist eine Milch ausgelaufen. Zwei Kästchen sind leicht überschwemmt. Zum Glück gibt es hier bei der Well 33 Wasser, sodass wir die Schweinerei leicht beseitigen können.

Well 33 auf der Canning Stock Route

Übernachtung bei Well 33
GPS Koordinaten: S 22°20‘29“ O 124°46‘30“

Highlight des Tages: Well 33 mit frischem Trinkwasser

Tag 8 – Well 33 bis Kunawarriji zurück zur Well 33 – 15 km

Die Aboriginal Community Kunawarriji ist für Reisende auf der CSR super wichtig. Hier können wir unsere Diesel- und Wassertanks auffüllen. Auch wenn wir einen Doppel-Dieseltank (180 Liter) haben, würde der Diesel nicht reichen für die gesamte Canning Stock Route.

Zudem gibt es in Kunawarriji einen Shop, den J J’s Outback Store. Die Lebensmittel sind zwar extrem teuer, aber immerhin haben wir die Möglichkeit etwas zu kaufen. Wir können es natürlich nicht lassen und gönnen uns eine Magnum.

Kunawarriji JJ Outback Store

Übernachtung bei Well 33
GPS Koordinaten: S 22°20‘29“ O 124°46‘30“

Highlight des Tages: Ein Magnum Eis

Tag 9 – Well 33 bis Thring Rock Turnoff – 117 km

Canning Stock Route Abenteuer

Tschüss bisschen Zivilisation. Das Abenteuer auf der CSR geht weiter.

Wer nicht die ganze Canning Stock Route fahren will, kann bei Kunawarriji die CSR verlassen und nach Port Hedland fahren (750 km), in die gegengesetzte Richtung geht es nach Alice Springs (1100 km).

Jetzt wird uns so richtig bewusst, wie weit weg wir von allem sind. Von Halls Creek sind wir inzwischen 950 km entfernt und nach Wiluna, unser Ziel, sind es noch 1‘000 km. Boah, da haben wir noch einiges vor die nächsten Tage.

Von Kunawarriji bis zur Well 32 ist die Fahrt alles andere als angenehm. Extremes Wellblech schüttelt uns und unser Fahrzeug ganz schön durch.

Wellblechpiste ist eine gewaltige Nervenprobe. Bei dem extremen Geholper gibt es nur eins, ausharren und auf bessere Strassenverhältnisse warten. Die kommen nämlich ganz bestimmt. Mal früher, mal später. Ich habe inzwischen einen Trick. An was ganz schönes denken und sich darauf freuen. Egal was, ein kühles Bier nach den Strapazen oder einen feinen Cappuccino im nächsten Café (auch wenn das noch mindestens zwei bis drei Wochen warten muss).

Das erste Auto seit 9 Tagen überholt uns im Schnellzugtempo. Von der Well 32 ist nichts mehr übrig und wir fahren gleich weiter. Die Wellblechpiste führt durch Graslandschaft. Kurz vor der Well 31 gibt es wieder kleinere Sanddünen. Well 31 lassen wir aus, bei der Abzweigung ist jedoch nicht ganz klar, in welche Richtung es weiter geht. Dank GPS und der Karte von Hema finden wir den richtigen Weg.

Bis zur Well 30 ist es flach, holprig mit steinigem Untergrund. Rund um uns Spinifex und kleinere Büsche. Rechtzeitig auf die Mittagszeit erreichen wir die Well 30. Vom Brunnen ist praktisch nichts mehr übrig, dafür geniessen wir den Schatten vom grossen Baum.

Weiter geht’s zuerst durch Bulldust und dann auf extremer Wellblechpiste. Wir werden auf die Probe gestellt. Wie lange wir die krasse Wellblechpiste wohl aushalten bevor wir ausrasten? Ein Wunder sind noch keine Gläser oder Teller zerbrochen.

Action auf der Strasse. Ein Dromedar auf der Piste. Zuerst spaziert es gemütlich vor uns her bis es sich gestresst fühlt und davon rennt. Geduldig fahren wir langsam hinterher bis es im Gebüsch verschwindet und locker auf die nächste Sanddüne hochspaziert.

Auch für uns heisst es wieder Dünen erklimmen. Eine nach der andern.

Die Dünen haben es in sich. Marcel muss erneut den Reifendruck reduzieren und mit Allrad und im 1. Gang schaffen wir es gerade so über die Düne zu kommen. Nachmittags ist der Sand auf den Dünen aufgeheizt und dadurch weicher. Dazu kommt, dass wir wieder schwerer sind mit vollen Diesel- und Wassertanks.

Wir schaffen schliesslich die letzte Düne vor der Abzweigung zur Well 29 gerade so. Auch Redland muss zweimal Anlauf holen. Die letzten 5 Meter vor der Spitze sind super soft und total ausgefahren. Zum Glück haben wir die richtigen Fahrzeuge für dieses Gelände, die schlussendlich überall durchkommen.

Conny und ich haben auch wieder alle Hände voll zu tun mit fotografieren und filmen.

Geplant ist bei der Well 29 zu übernachten. Der Brunnen besteht nur noch aus Ruinen und der Platz gefällt uns nicht zum Campen. So fahren wir noch ein paar Kilometer weiter bis zum Thring Rock Turnoff. Das hat sich gelohnt. Schattenspendenden Bäume und eine Feuerstelle sind perfekt für unser Nachtlager.

Übernachtung beim Thring Rock Turnoff
GPS Koordinaten: S 22°33’44“ O 123°53‘07“

Highlight des Tages: Ein Dromedar weist uns den Weg

Tag 10 – Thring Rock Turnoff bis Well 26 – 90 km

Ausschlafen bis 6:30 Uhr. Es ist schon unglaublich hell um diese Zeit. Angenehme Temperaturen dafür bläst uns der Wind ganz schön um die Ohren.

Beim aufwachen wird mir zum ersten Mal so richtig bewusst, wie abgelegen wir sind. Wir sind mitten in der Natur, weit weg von der Zivilisation. Ich fühle mich gerade extrem isoliert. Einsamkeit ist es nicht, denn wir sind ja zu viert unterwegs. Hunderte oder sogar Tausende von Kilometern um uns ist nichts ausser Sanddünen, Spinifex Gras, Wildblumen, Büsche, Sand, Dreck, Vögel, Kamele, Dingos, Ameisen, Fliegen und sonstige Insekten.

Der Tag startet gleich wieder mit Dünenüberquerungen. Die Dünen sind üppig bewachsen und liegen wieder weiter auseinander (ca. 500 bis 600 m) als jene im ersten Teil unseres Trips.

Wir erreichen Well 28, wo vom Brunnen nichts mehr übrig ist ausser einem verrosteten Eimer. Gleich nach der Well 28 folgt eine hohe, steile Düne. Zum Glück ist der Sand griffig und wir schaffen den Aufstieg ohne Probleme. Es folgt wieder eine Düne nach der andern. Den Reifendruck hat Marcel nochmals reduziert und so sind die Überfahrten problemlos. Unser Arbeitstier, der Toyota LandCruiser, und der erfahrene Fahrer Marcel schaffen die Dünen mit links.

Schlagartig ändert sich die Landschaft. Vor uns sehen wir plötzlich Hügelzüge aus rotem Sandstein (u.a. Helene Hill). Die Piste ist steinig, aber auch sehr holprig. Das ist aber nur von kurzer Dauer, denn es folgen bereits wieder die nächsten Dünen. Wir erreichen Well 27, wo wir wieder nur auf eine Ruine treffen, ohne Wasser im Brunnen.

Wir hören stimmen im Funk und wenig später kommen uns vier Fahrzeuge entgegen.

Es gibt weitere Dünen zu queren und zwischen den Dünen geht der Track mehrere Kilometer parallel an den Dünen entlang. Und das Wellblech lässt uns nicht in Ruhe. Holper, holper, holper.

Schon bald erreichen wir die Well 26 und finden eine Oase. Kleinere schattenspendende Bäume, Feuerstellen und ein WC (sogar mit WC-Papier).

Übernachtung bei Well 26
GPS Koordinaten: S 22°55‘19“ O 123°31‘05“

Highlight des Tages: Selbstgemachte Pizza vom Feuer. Herzlichen Dank, Conny und Roger

Tag 11 –Well 26 bis Georgia Bore – 82 km

Halbzeit! Wow, das fühlt sich eigenartig und gut an. Bis jetzt ist alles wie am Schnürchen gelaufen. Unsere Fahrzeuge haben uns keine Sekunde im Stich gelassen, wir haben wunderbar gegessen und auch Wasser war nie ein Problem. Ein Genuss.

Es ist windig und die Temperaturen angenehm. Die Fahrt auf der Canning Stock Route geht weiter, die zweite Hälfte steht bevor.

Zwischen Well 26 und 25 gibt es erneut hohe Sanddünen. Ob uns die Dünen bis zum Ende der CSR begleiten?

Langweilig wird es auch heute nicht. Die Landschaft verändert sich und vom höchsten Punkt einer Düne erhaschen wir einen Blick auf pinke Seen. Die Farben sind krass.

Den Abstecher zur Well 25 schenken wir uns, da wir im WikiCamps lesen, dass nur noch Ruinen vorhanden sind. Kaum sind wir wieder losgefahren, kommt bereits die nächste Knacknuss. Eine supersofte Düne. Durch den Wind ist der Sand im oberen Drittel extrem tief und weich. Marcel und Roger sitzen voll konzentriert hinter dem Steuer und unsere LandCruiser geben alles. Geschafft. Wir sind drüber.

Auch zwischen der Well 25 bis 24 gibt es Dünen, die es zu meistern gibt. Das schwierige an diesen Dünen ist der weiche Untergrund. Unser Troopy rutscht weg und Marcel muss einmal mehr den Reifendruck reduzieren. Beim vierten Anlauf klappt es schliesslich. Der Reifendruck ist runter auf 20 psi. Natürlich haben wir 4×4 zugeschalten und im ersten Gang geht es konstant aufwärts. Kurz vor der Kuppe drückt Marcel nochmals richtig aufs Gas. Endlich! Wir sind drüber.

Zur Abwechslung gibt es wieder Spinifex-Felder. Die Gräser leuchten silbern im Sonnenlicht und am Horizont haben sich kleine Wolken gebildet. Was für eine Stimmung. Wir fühlen uns privilegiert, diese Landschaft in seiner ganzen Schönheit und Natürlichkeit zu geniessen.

Der Track wird wieder steinig und führt durch flaches Buschland. Schliesslich erreichen wir Well 24. Hier gibt es Wasser, das mit einer Schicht Algen und Grünpflanzen bedeckt ist. Die Landschaft ändert abrupt. Vor uns sehen wir karge Hügelzüge, die uns an die Flinders Ranges in Südaustralien erinnern. Ob wie die Sanddünen nun hinter uns haben?

Bald kommen wir an Well 23 vorbei. Vom Brunnen ist jedoch nichts mehr übrig. Der Track ist zwischen Well 23 und 22 alles andere als spassig. Krasses Wellblech rauben uns die Nerven und wir sind froh als wir endlich die Georgia Bore erreichen.

Die Georgia Bore ist ein super Schlafplatz. Es hat Schatten, Wasser mit einer Handpumpe, Toiletten und Grillstellen.

Übernachtung bei der Georgia Bore
GPS Koordinaten: S 23°32‘05“ O 123°12‘02“

Highlight des Tages: Die Aussicht auf die pinken Seen

Tag 12 – Georgia Bore bis Savory Creek Camp – 88 km

Das war eine höllische Nacht. Ein Sturm ist über uns weggefegt und hat von 21 Uhr bis tief in die Nacht ganz schön Lärm gemacht. Wenn die Natur so richtig tobt, fühlt man sich als Mensch ganz schön klein und unwichtig.

Auch nach Sonnenaufgang ist es noch extrem windig, sodass wir im Camper drinnen frühstücken. Gestärkt fahren wir weiter Richtung Süden und stoppen bei den Ruinen von der Well 22. Dann folgt krasses Wellblech und zur Abwechslung eine lange, rote Düne. Und dann wieder Wellblech bis zum Abwinken. Auch wenn die Dünenauffahrten manchmal so richtig hart sind, Wellblechpisten sind mühsam und machen nicht wirklich Spass. Aber ja, da müssen wir durch, schliesslich fahren wir die CSR ja freiwillig.

Die Well 21 ist eine willkommene Abwechslung, auch wenn nur noch ein grosses Loch vom Brunnen übrig ist.

Einmal mehr ändert sich die Landschaft komplett und wir stehen vor einem Salzsee. Es gibt Spuren mitten durch den Salzsee, nur in der Mitte sieht es ziemlich weich und nass aus. Da umfahren wir den Salzsee lieber. Eine gute Entscheidung.

Salzsee Canning Stock Route

Kleinere Sanddünen trennen die verschiedenen Salzseen voneinander. Der eindrücklichste Salzsee ist der Lake Disappointment mit seiner schneeweissen Kruste. Und eine Enttäuschung, auch wenn dies sein Name ist, ist der Salzsee also ganz und gar nicht.

Lake Disappointment Canning Stock Route

Kurz vor dem Savory Creek finden wir einen hübschen Wüsteneichenwald. Perfekt zum Campen.

Übernachtung nähe Savory Creek
GPS Koordinaten: S 23°20‘36“ O 122°40‘38“

Highlight des Tages: Der schneeweisse Salzsee Lake Disappointment

Tag 13 – Savory Creek Camp bis Durba Springs – 93 km

Heute kommen wir zur Schlüsselstelle, dem Savory Creek. Wir sind ganz baff als wir plötzlich vor dem Fluss stehen. Wasser in dieser Menge ist in der Wüste eine Seltenheit. Der einzige Nachteil, das Wasser ist extrem salzig und der Untergrund sandig-schlammig. Ein Schritt zu weit und wir ziehen eine Portion stinkende Schlammmasse am Schuh raus. Marcel hat’s versucht.

Savory Creek auf der Canning Stock Route

Wir kommen zur Stelle, wo der Wasserstand recht niedrig ist. Zur Sicherheit laufen wir die Stelle ab, wo wir den Savory Creek furten wollen. Eine weise Entscheidung, denn es gibt Stellen, da sinken wir einfach ein. Das wollen wir auf keinen Fall mit unserem LandCruiser, schliesslich haben wir noch fast 600 km vor uns. Zuerst ist Redland dran und schafft es rüber. Er erwischt aber eine weiche Stelle. Marcel konzentriert sich, sucht sich eine andere Stelle zum Furten und fährt zielstrebig ans andere Ufer. Erleichtert stehen wir da und Jubeln.

Nach dem Savory Creek dominieren rote Dünen und Salzseen die Landschaft. Es ist sehr abwechslungsreich. Das einzige, das immer konstant bleibt, ist das Wellblech. Rechtzeitig zur Mittagszeit erreichen wir die Well 18.

Well 18 auf der Canning Stock Route

Der Brunnen ist 2016 restauriert worden und wir können hier mit frischem Wasser die Überreste von Schlamm und Salzkruste von den Füssen waschen. Wir füllen gleich noch etwas Wasser in unseren Drybag, den wir als Waschmaschine benutzen. Der Drybag ist ja so konzipiert, dass kein Wasser in den Sack reinkommt. Umgekehrt funktioniert es auch. Das Wasser bleibt drin. Beim Gerüttel auf der Wellblechpiste wird im Drybag die Wäsche so richtig schön geschleudert.

Zwischen der Well 18 und der Abzweigung zum Durba Springs Camp hat es wieder einige rote Sanddünen zu überqueren. Auf dem Weg sammeln wir gleich noch für zwei Tage Holz, sodass wir unser Abendessen auf dem Feuer kochen können.

Um zum Durba Springs Camp zu kommen, machen wir einen 5 km Abstecher weg von der CSR. Diese 5 km haben es ganz schön in sich. Die Piste ist rau, steinig und ausgewaschen. Auch das Landschaftsbild hat sich wieder komplett geändert. Wir fahren an Hügelzügen vorbei bis wir schliesslich eine Oase erreichen. Eine grosse Grasfläche mit riesigen Eukalyptusbäumen, die viel Schatten spenden. Hier bleiben wir gleich zwei Nächte. Durba Springs ist wirklich perfekt für einen Ruhetag. Den haben wir uns verdient.

Durba Springs camp Canning Stock Route

Übernachtung bei Durba Springs mit WC und Grillstellen, schattige Plätze im Gras
GPS Koordinaten: S 23°45‘16“ O 122°31‘01“

Highlight des Tages: Den Savory Creek furten. Schlüsselstelle geschafft.

Tag 14 – Durba Springs (0 km)

Wir gönnen uns einen Tag Pause. Jeden Tag mehrere Stunden Autofahren mit voller Konzentration schlaucht ganz schön. Inzwischen sind wir 1‘110 km gefahren. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt etwa 23 km pro Stunde und so haben wir für eine Strecke die auf dem Highway in 2 Tages zu bewältigen ist, 13 Tage gebraucht. Vor uns liegen nochmals 500 km bis Wiluna, wo wir die Zivilisation erreichen.

Durba Springs ist eine Oase. Leider gefällt es auch den Bienen hier. Nachmittags sind sie angriffslustig und Conny und Roger kriegen gleich mehrere Stiche ab. Wieso die Bienen aggressiv sind, haben wir nicht rausgefunden. So gibt es nur eins, das Fahrzeug um parken.

Bei Durba Springs gibt es auch eine Schlucht, die man auf eigene Faust entdecken kann. Der Weg ist nicht markiert, also richtiges Bushwalking.

Tipp: Durba Springs ist einer der schönsten Schlafplätze auf der gesamten Canning Stock Route.

Highlight des Tages: Zeit haben und geniessen

Tag 15 – Durba Springs bis Well 15 – 74 km

Der Abstecher zu den Durba Springs ist total lohnenswert. Ein Ruhetag muss reichen, denn wir haben ja immer noch 500 km auf der Canning Stock Route vor uns. Wenn wir so vorankommen wie die letzten zwei Wochen, brauchen wir vermutlich nochmals fünf Tage bis Wiluna.

Die Piste führt durch Buschland und ist steinig. Plötzlich sehen wir etwas Farbiges in der Ferne. Ein Motorradfahrer. Und noch einer, und noch einer. Eine Gruppe von sechs Motorradfahrern kommt uns entgegen. Sie reisen leicht, denn sie haben zwei Begleitfahrzeuge für den Treibstoff, Lebensmittel, Kleider und Zelte dabei. Mit dem Motorrad die CSR fahren, macht bestimmt unglaublich viel Spass.

Begegnungen auf der Canning Stock Route

Diesmal werden wir nicht gefragt, ob wir jodeln können. Dafür sagt einer: „Wie kommt ihr als Schweizer auf die Idee, die Canning Stock Route zu fahren?“ „Weil es anders ist und es sowas bei uns nicht gibt. Es ist einmalig für uns eine Strecke zu fahren, wo ausser Natur nichts ist auf einer Distanz die der von Genf bis Gibraltar entspricht.“

Wir verabschieden uns von den Jungs und wünschen uns gegenseitig viel Spass und eine gute, sichere Fahrt auf der CSR.

Die Well 16 ist rund 700 Meter weg vom Haupttrack. Vom Brunnen ist nur noch ein grosses Loch mit wenig Wasser vorhanden. Leider hat es auch hier aggressive Bienen und wir verkrümeln uns gleich wieder.

Zurück auf der Canning Stock Route fahren wir wieder durch Buschland, vereinzelt gibt es Dünen zu überqueren und natürlich ist auch die Wellblechpiste zurück. Inzwischen ist das Wellblech kaum mehr wegzudenken. Ob das zu Fuss auch so mühsam ist? Wir entdecken nämlich den Handwagen von Murray Ranking zwischen Well 16 und 15. 1976 hat Murray Rankin mit Kathy Burman and Rex Shaw die Canning Stock Route zu Fuss bezwungen und das in weniger als drei Monaten. Wahnsinn. Unvorstellbar, wie man diese Strecke zu Fuss bewältigen kann. Das ist nichts für uns. Wir fahren lieber.

Übernachtung bei Well 15 mit Toiletten, Grillstellen und Wasser
GPS Koordinaten: S 24°08‘28“ O 122°12‘10“

Highlight des Tages: Der Handwagen von Murray Rankin, der 1976 erfolgreich zu Fuss die CSR gelaufen ist

Tag 16 – Well 15 bis Well 12 – 68 km

Spinifex dominiert die Landschaft und auf dem Track das Wellblech. Wir stoppen bei Well 14, wovon aber nicht mehr viel übrig ist. Auf der Piste gibt’s mehr von den Sanddünen und Wellblech.

Den Abstecher zur Well 13 (4 km retour) lassen wir aus und auf dem Weg zur Well 12 werden wir nochmals so richtig durchschütteln. Zwischen Well 13 und Well 12 ist das Wellblech wieder total krass. Zum Glück gibt es zwischendurch wieder steinige Abschnitte und sandige Passagen. Das permanent wiederkehrende Wellblech setzt uns ganz schön zu.

Kurz bevor wir die Well 12 erreichen, fahren wir durch üppig grüne Buschlandschaft. Die satten Farben und die faszinierende Landschaft entschädigen für vieles und schon bald ist das Wellblech vergessen.

Campen bei Well 12 Canning Stock Route

Abends haben wir leider einen medizinischen Notfall. Unsere Freundin Conny muss sofort ins Spital nach Perth. Da wir sehr abgelegen sind, gibt es nur eins, die Royal Flying Doctor Services anrufen. Zum Glück haben unsere Freunde für Notfälle ein Satellitentelefon dabei. Wir wählen die 24 Stunden Notfallnummer und innerhalb weniger Minuten haben wir einen Arzt in der Leitung. Es ist bereits dunkel und die nächste Landebahn ist 4-5 Stunden Fahrt von uns entfernt. Es wird uns abgeraten nachts zu fahren, da es viel zu gefährlich ist. Wir kriegen von den RFDS bestätigt, dass ein Flugzeug auf den nächsten Tag zur Mittagszeit organisiert wird.

Wir planen morgen um 5 Uhr aufzustehen, sodass wir sofort zum Sonnenaufgang losfahren können.

Übernachtung bei Well 12 mit Wasser vom Brunnen, Grillstellen und Toiletten

GPS Koordinaten: S 24°35‘38“ O 121°52‘21“

Tag 17 – Well 12 bis Well 9 – 78 km (mit Abstecher zur Glen Ayle Station – 116 km retour)

Sonnenaufgang ist um 6 Uhr. Zeit loszufahren. Wir haben rund 130 km vor uns bis zum Flugfeld bei der Glen Ayle Station. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h sind das mehr als 5 Stunden.

Wir erreichen kurz vor 12 Uhr das Flugfeld. Wir stehen vor einer grossen, staubigen Fläche. Das Flugzeug der RFDS sollte in 30 Minuten hier landen. Es dauert tatsächlich nicht lange und wir sehen in der Ferne die Pilatus im Anflug.

Royal Flying Doctor Services Australien

Leider müssen wir uns jetzt von unserer Freundin verabschieden. Mit Tränen in den Augen sagen wir Tschüss und wünschen viel Glück und Kraft. Es ist ein harter Moment und wir stehen ratlos da als das Flugzeug abhebt. Wir sind aber froh, ist Conny jetzt in guten Händen. Alles wird gut.

Abends regnet es leicht. Der Himmel weint.

Übernachtung, 1 km südlich von Well 9
GPS Koordinaten: S 25°00‘37“ O 121°34‘32“

Tag 18 – Well 9 bis Well 6 – 60 km

Der Tag begrüsst uns wieder mit einem wolkenlosen Himmel. Leider sind wir jetzt nur noch zu dritt auf der Canning Stock Route unterwegs. Mensch, fühlt sich das komisch an. Im Herzen ist Conny aber bis zum Schluss mit dabei.

Wir sind nur wenige Minuten unterwegs und plötzlich macht Marcel eine Vollbremsung. Er schreit: „Mann, jetzt habe ich fast einen Thorny Devil überfahren.“ Er reisst seine Kamera aus der Tasche und geht langsam auf das stachlige Tier zu, das reglos mitten auf der Strasse steht. Wie oft haben wir uns gewünscht, endlich wieder einmal einen Thorny Devil zu sehen. Wir sind ganz hin und weg.

Thorny Devil

Inzwischen ist es sehr flach, grosse Felder sind überzogen mit Spinifex Gras und der Track führt mittendurch. Die Piste ist mal steinig, dann ausgewaschen oder das uns bekannte Wellblech lässt sich blicken. Wir sind noch immer auf dem Gebiet einer Farm. Kühe, Stiere und Emus sehen wir inzwischen regelmässig.

Wir erreichen die Ruinen von Well 8. Vom Brunnen ist nicht mehr viel übrig. Die Fahrt zwischen Well 8 und 7 führt durch Bäume und Büsche hindurch. Es ist eine kurvenreiche Fahrt. Wir kommen uns wie in einem Videospiel vor, als wir durch die teils engen, ausgewaschenen Passagen fahren.

Auch von Well 7 ist nur noch ein grosses Loch übrig. Im Zickzack geht es weiter durch den Wald kleiner Bäume. Vermutlich ist hier in der Regenzeit alles überschwemmt und wir fahren jetzt quasi durch das ausgetrocknete Flussbett.

Inzwischen sind wieder Wolken aufgezogen und es weht ein starker Wind. Bei Well 6 suchen wir uns Schutz zwischen den Bäumen. Die riesigen Eukalyptusbäume rauschen im Wind und wir haben unseren perfekten Schlafplatz gefunden.

Übernachtung bei Well 6 mit restauriertem Brunnen, gutem Wasser, Toiletten und Grillstellen
GPS Koordinaten: S 25°14‘26“ O 121°05‘57“

Highlight des Tages: Thorny Devil

Tag 19 – Well 6 bis Well 3

Die Sonne begrüsst uns aber es ist unglaublich frisch. Der Wind aus Südwesten bringt kalte Luft, sodass wir unsere Mützen anziehen.

Wir fahren zeitig los und legen den ersten Stopp bei der Well 5 ein. Der Brunnen ist restauriert und es gibt eine Winde inklusive Eimer. Wir lesen, dass dies die tiefste Well auf der CSR ist. Weiter geht der Track durch Spinifex Landschaft. Es rumpelt wieder wie verrückt. Klar, das Wellblech ist zurück. Was sonst.

Bald erreichen wir die Windich Spring, wo wir seit langem wieder einmal einen kürzeren Spaziergang machen können. Es gibt einen ausgeschilderten Wanderweg und wir erreichen bald die Oase aus grossen Eukalyptusbäumen und einer Flusslandschaft.

Zurück auf dem Track sind die Fahrer Marcel und Roger ganz schön gefordert. Der Track wird richtig rau und es gibt tiefe Auswaschungen. Hier ist fahrerisches Können gefragt. Wir schauen uns bei der Durchfahrt die Überreste der Well 4A an. Die Piste führt nun durch flaches Farmland, zwischen Büschen hindurch und dann ändert sich die Landschaft bereits wieder. Es wird hügelig und vor uns taucht eine Hügelkette auf. Es geht auf- und abwärts, viele Kurven und extreme Abschnitte.

Wieder ein Landschaftswechsel: Gibber Plains und Salzseen. Einfach Wahnsinn, auf der Canning Stock Route wird es nie langweilig. Das Einzige, das langweilig ist und nervt, ist das immer wiederkehrende Wellblech.

Das Teilstück zwischen Well 5 und 2 kann nach starken Regenfällen unpassierbar sein. Die Strecke wird dann gesperrt. Wir sehen an den Fahrspuren, dass das Fahren hier bei nassen Verhältnissen alles andere als angenehm sein muss. Wir sind froh, sind wir während der Trockenzeit unterwegs.

Übernachtung bei Well 3
GPS Koordinaten: S 25°46‘32“ O 120°24‘49“

Tag 20 – Well 3 bis North Pool

Brrr… es ist Winter. Letzte Nacht ist das Thermometer auf -1°C gefallen. Ein Wunder hatten wir keine Eisblumen auf den Scheiben. Um 6.30 Uhr ist es 2°C und um 7.30 Uhr zum Glück bereits 10°C. Der kräftige Wind lässt uns ebenfalls ganz schön frieren. Zähneklappernd geniessen wir eine heisse Tasse Kaffee am Lagerfeuer.

Gestärkt machen wir uns auf die letzte Etappe. Ob wir die Canning Stock Route heute schaffen? Die ersten Kilometer kommen wir nur sehr langsam voran, da der Track extrem ausgewaschen ist. Auch die Wellblechpiste lässt schnelles Fahren nicht zu. So liegt auch heute das Durchschnittstempo eher bei 20 km/h.

Wir kommen zu den letzten Brunnen. Die Well 2A ist eingestürzt und wir sehen nur noch ein grosses Loch mit Wasser. So peilen wir das nächste Ziel, die Well 2 an. Enge Passagen durchs Gebüsch, Holperpiste und Wellblech begleiten uns auf dem Weg zum nächsten Brunnen. Bei der Well 2 gibt es Informationstafeln zur CSR. Für viele ist hier der Anfang eines grossen Abenteuers. Für uns geht es hier langsam zu Ende.

Noch wenige Kilometer und wir erreichen die Wiluna North Road. Wir haben noch eine Nacht vor uns und die Well 1 schauen wir uns morgen auch noch an. Aber irgendwie fühlt es sich jetzt an, wie das Ende des Abenteuers auf der Canning Stock Route.

Wir stehen perplex vor einer grossen, breiten, unbefestigten Strasse. Nach 21 Tagen auf der Canning Stock Route ist es, als ob wir auf einer Autobahn stehen. Uns wird bewusst, dass wir ab sofort wieder auf Strassenverkehr achten müssen und auch den Sicherheitsgurt sollten wir jetzt besser wieder anlegen.

Mit 65 km/h düsen wir zum letzten Schlafplatz unseres Canning Stock Route Abenteuers. Wir finden beim North Pool einen genialen Platz zum übernachten.

North Pool Camp Canning Stock Route

North Pool, Abfalleimer vorhanden, keine Toiletten
GPS Koordinaten: S 26°26‘47“ O 120°08‘53“

Tag 21 – North Pool bis Wiluna

Es ist wieder eiskalt.

Ende der Canning Stock Route

Wir sind zurück in der Zivilisation!

Wir sind überglücklich, dass unsere Fahrzeuge durchgehalten haben und uns sicher durch die Wüste gebracht haben. Und wir sind auch aufgeregt, wieder einmal in der Zivilisation zu sein. Wiluna ist zwar alles andere als ein attraktives Dorf. Das Hotel ist seit Jahren nicht mehr in Betrieb, ein gemütliches Cafe suchen wir vergebens, dafür gibt es eine Tankstelle mit einem Shop. Hier können wir unsere Diesel- und Wassertanks auffüllen, ein paar Lebensmittel einkaufen und ins Internet.

Und natürlich gönnen wir uns – auch wenn es erst 9:30 Uhr ist – ein Magnum Eis. Yummie!!!

Highlight des Tages: Im Tankstellenshop echte Stimmen aus dem Radio hören. Nach drei Wochen weg von der Zivilisation ist mir das ganz schön eingefahren Radio zu hören.

Herzlichen Dank, Conny und Roger, dass wir die Canning Stock Route gemeinsam fahren durften. Wir werden dieses Abenteuer mit euch immer in Erinnerung behalten. Mit allem drum und dran. Und jetzt wünschen wir dir von Herzen ganz gute Besserung. Alles kommt gut.

Fakten zur CSR – Distanz, Reisezeit und Versorgung

Reisezeit

Die ideale Reisezeit ist zwischen Mai und September

Je nach Regenzeit kann sich das jedes Jahr leicht ändern. Unbedingt vorher abklären, ob die CSR befahrbar ist.

Eigene Erfahrung: Wir waren Mitte August bis Anfang September auf der Canning Stock Route unterwegs. Warme bis heisse Tage und angenehme, kühle Nächte. Die Strecke ist trocken und auch die Salzseen sind einfach zu queren. Wo die Salzseen weich, nass oder schlammig sind, gibt es Umfahrungen. Die Schlüsselstelle ist der Savory Creek. Ende August 2017 war das Furten einfach, da der Wasserstand niedrig war. Da es sehr weiche, schlammige Stellen hat, lohnt sich ein durchwaten vor der Flussdurchfahrt aber trotzdem.

Distanzen

Start/Endpunkt: Halls Creek
Endpunkt/Start: Wiluna

Die Strecke kann von Nord nach Süd oder umgekehrt gefahren werden.

Von Halls Creek bis Wiluna sind wir 1‘933 km gefahren. Da ist auch der Abstecher zur Glen Ayle Station von 116 km drin.

Halls Creek bis Billiluna: 170 km
Billiluna bis Kunawarriji: 625 km
Kunawarriji bis Wiluna: 1‘138 km (inklusive Abstecher zur Glen Ayle Station, 116 km)

Dauer für die gesamte Strecke: 14 bis 21 Tage

Eigene Erfahrung: Wir haben uns Zeit gelassen und haben für die gesamte Canning Stock Route 21 Tage gebraucht (inkl. 2 Ruhetagen)

Interessante Fakten zum Trip

  • Total gefahrene Kilometer von Halls Creek bis Wiluna: 1‘933 km (inkl. Abstecher Glen Ayle Station)
  • 21 Tage unterwegs
  • Täglich rund 90 km gefahren
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 22 km/h

Dieselpreise (Stand August 2017)
Fitzroy Crossing: AUD 1.425
Halls Creek: AUD 1.439
Billiluna: AUD 2.60
Kunawarriji: AUD 3.40
Wiluna: AUD 1.81

Wiluna Ende der Canning Stock Route

Treibstoffverbrauch

Volltanken in Halls Creek – 180 Liter
Billiluna – 20 Liter für AUD 50 / 2.60 pro Liter
Kunawarritji 98 Liter für AUD 335 / 3.40 pro Liter
Restdiesel im Tank bei Ankunft in Wiluna: 34 Liter

Total Dieselverbrauch: 264 Liter für 1‘933 km

Durchschnittlicher Dieselverbrauch auf der gesamten Strecke: 13.7 Liter pro 100 km

Treibstoffverbrauch im Detail auf Teilstrecken

Von Billiluna bis zur Well 33 haben wir im Durchschnitt 15.6 Liter Diesel auf 100 km verbraucht. Es gibt viele Dünen zu überqueren. Wir fahren mit extrem reduziertem Reifendruck und wir haben oft 4×4 eingeschalten. Die Klimaanlage hatten wir nur nachmittags an.

Von Well 33 bis Wiluna haben wir im Durchschnitt 12.9 Liter Diesel auf 100 km verbraucht. Es gab auch auf diesem Streckenabschnitt einige Dünen zu bewältigen. Die Strecke hatte viele Auswaschungen und Wellblech, war aber im allgemeinen weniger anspruchsvoll als zwischen Well 51 und Well 33.

Welche Fahrzeuge eignen sich für die Canning Stock Route?

Als wir vor einem Jahr in Australien ein Fahrzeug gekauft haben, wussten wir es muss ein Toyota LandCruiser sein. Schliesslich wollen wir die Canning Stock Route fahren und für dieses Abenteuer brauchen wir ein zuverlässiges Fahrzeug, eine Kraftmaschine, die im Gelände praktisch jede Hürde meistert.

Die Canning Stock Route mit grossen Fahrzeugen wie Unimog oder MAN zu fahren macht wenig Sinn. Die Spur ist schmal (ideal für LandCruiser, Landrover etc.) und eng. Viele Passagen führen eng durch Büsche und zerkratzt den Lack. Je breiter das Fahrzeug, je mehr Kratzer.

Gut zu wissen

Die Gesamtstrecke von Halls Creek bis Wiluna: 1‘820 km und von Billiluna bis Wiluna: 1‘650 km (inklusive kleinerer Abstecher zu Quellen)

Versorgung auf der CSR:

  • Billiluna beim Start/Ende und nach 633 km von Billiluna Richtung Süden, in der Aboriginal Community Kunawarriji
  • Beim Start/Ende in Halls Creek oder Wiluna
  • An diesen Orten sind Lebensmittel, Diesel und Trinkwasser erhältlich und Abfall kann entsorgt werden.

Genehmigungen (Permits)

Wer die Canning Stock Route befahren möchte, braucht zwei Genehmigungen. Dies weil die CSR über verschiedene Gebiete der Aborigines führt. Es ist genau definiert, welche Plätze und Wells besucht werden dürfen und wo Zutritt verboten ist. Mit der Permit kriegt man eine PDF Broschüre mit allen wichtigen Details.

1. Permit für das Gebiet von Well 5 bis 15 und Well 40 bis 51 kannst du hier beantragen
Kosten: AUD 100 / CHF 77 / EUR 67

2. Permit für das Gebiet von Well 16 bis 39 kannst du hier beantragen
Kosten: AUD 110 / CHF 84 / EUR 74

Versorgung

Wer die CSR von Nord nach Süd fährt, kann hier einkaufen:

  • Fitzroy Crossing: Grosser IGA mit super Angebot und Frischprodukten
  • Halls Creek: IGA Express, gutes Angebot und preislich in Ordnung
  • Billiluna: Kleiner Shop mit Grundnahrungsmitteln und einigen Frischprodukten, teuer da sehr abgelegen (Bezahlung mit Karte möglich)
  • Kunawarriji: Kleiner Shop mit gutem Sortiment, auch Frischprodukte wie Gurken, Tomaten, Äpfel, sehr teuer (Bezahlung mit Karte möglich)

Wer die CSR von Süd nach Nord fährt, kann die letzten Vorräte in Wiluna aufstocken. Lebensmittel sind schön präsentiert, aber teuer. Grosseinkauf am besten in Kalgoorlie.

Genügend Bargeld dabei zu haben ist sinnvoll. Im Falle eines Notfalls ist Bargeld vielleicht die Rettung. Cash is king.

Erstaunlicherweise kostet ein Magnum Eis in Billiluna AUD 5.50 und in Kunawarriji nur gerade AUD 5. Für solch abgelegene Orte ein super Preis. So haben wir uns natürlich gleich ein Eis gegönnt. Und es hat ja sowas von geschmeckt. Yummie!!!

Begegnungen auf der Canning Stock Route

Während den 21 Tagen sind wir insgesamt 53 Autos und 8 Motorrädern begegnet.

Geschichtlicher Hintergrund

Als um 1900 in Wiluna Gold gefunden wurde, ist der Goldrausch ausgebrochen. Viele Männer haben in der Gold-Mine Arbeit gefunden. Sie haben gut verdient, aber kaufen konnten sie in Wiluna nicht viel. Die Nachfrage nach Rindfleisch ist angestiegen und es wurde viel Geld dafür gezahlt. Die Frage war nur, wie kommt das Rind von der Kimberley Region auf direktem und schnellstem Weg nach Wiluna.

1906 wurde Alfred Canning beauftragt die Strecke von Halls Creek nach Wiluna zu erschliessen, um die Rinder auf diesem Weg von Nord nach Süd zu treiben. Vier Jahre benötigte Canning bis die 1‘500 km lange Strecke fertig war. Wasser war natürlich ein grosses Thema. Das Vieh muss unterwegs versorgt werden und so wurden im Abstand von rund 25 km Brunnen angelegt. Auf der gesamten Strecke gibt es 52 davon. Wie das Wasser gefunden wurde, ist keine schöne Geschichte. Canning hat Aborigines gefangen gehalten und sie durch Folter gezwungen, ihm die Lage der natürlichen Wasserlöcher zu zeigen.

1958 ist dann die letzte Viehherde in Wiluna angekommen. Rund 50 Jahre wurde der Track als Viehstrecke genutzt.

Von vielen der 52 Brunnen bestehen heute nur noch Überreste. Einige wurden in den letzten Jahren aber auch restauriert und führen gutes Wasser.

Heute ist die Canning Stock Route eines der grossen Offroad-Abenteuer für 4×4 Enthusiasten.

 

Ein Strandurlaub statt der Canning Stock Route? Nein. Aber ein Strandurlaub nach der CSR, das wär’s. Ob ich Marcel wohl davon überzeugen kann?

 

10 Gedanken zu “Canning Stock Route – Aufregendes Abenteuer mit einem Zwischenfall

    • Vielen Dank, Jan. Ou ja, es lohnt sich. Falls ihr irgendwann wiedermal in Australien seid, das wär ein tolles Abenteuer für Euch.
      Herzliche Grüsse, wo immer ihr auch seid.

  1. Musste natürlich gleich den ganzen Beitrag lesen. Da habt ihr wirklich etwas unglaubliches erlebt.
    Danke für den tollen Bericht, war mit euch auf dem Trip, natürlich bequemer und ohne rütteln und schütteln. Hat sich für euch auf jeden Fall die ganze Mühen gelohnt. Mehr Natur geht fast nicht.
    Jetzt hoffen wir auf eine gute Genesung von Conny, damit sie ihre Reise fortsetzen können und alles
    gut wird.

    • Vielen Dank, liebe Elsbeth. Ja, es war wirklich ein Wahnsinnsabenteuer. So viel Natur auf einmal ist schon gewaltig. Auf schnelle Genesung für Conny hoffen wir auch ganz fest und bestimmt können sie bald weiterreisen und das schöne Australien geniessen.

  2. Tolle Reise – tolle Erlebnisse.
    Auch ich musste mir endlich mal Zeit nehmen Eure Erlebnisse zu mitzuerleben.
    Muss doch eine Wahnsinnserfahrung für’s Leben sein.
    Na und dann die Aufregung mit Conny. Ist sie jetzt wieder gesund und bei Euch?
    Toll auch zu lesen, dass bei so viel Erfahrung in Australien bei der Vorbereitung die Frage fällt: was ist wenn uns eine beisst 😉 Und Ihr habt keine gesehen?
    Ich habe ja immer so meine Bedenken. Und als wir dieses Jahr auf der Ellenbrae Station in diesen Stockmen Cabins übernachtet haben, hatte uns Larissa, die mit ihrem Mann momentan die Ranch betreibt und verwaltet, gesagt: „ach vor Tieren musst Du hier keine Angst haben…wir haben hier nur Schlangen…“
    Ich habe anschließend nicht ganz so ruhig geschlafen 😉

    Habe ich es überlesen? Mietet Ihr die Autos oder kauft Ihr diese?

    Liebe Grüße
    Sylwia

    • Liebe Sylwia

      Vielen Dank für Deine Nachricht. Wow, das klingt ja Abenteuerlich mit den „wir haben hier nur Schlangen“. Das ist typisch australisch, fürchten sich vor nichts.

      Conny geht es gut und sobald die Augenkontrollen beim Arzt abgeschlossen sind, geht ihre Reise durch Australien wieder weiter.

      Wir haben uns ein Auto gekauft. Da wir lange unterwegs sind, lohnt sich der Kauf. Und so dürfen wir auch alle Strecken fahren, die wir wollen. Bei Mietautos sind ja einige Outback Tracks ausgeschlossen.

      Liebe Grüsse
      Reni

  3. Hallo Ihr 4,
    herzlichen Dank für Euren Bericht, er läßt einen mitreisen.
    Wir standen schon mal vor Wiluna am Eingang der CS, aber mit einem Mietauto…..
    Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben, der traum wartet halt noch ein bischen.
    Liebe Grüße und weiterhin gute und gesunde Reise.

    Erwin

    • Hallo Erwin,
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Die Canning Stock Route ist wirklich ein ganz spezielles Abenteuer. Wir hatten eine super Zeit und die Landschaft, Natur, Einsamkeit, Tierwelt und die unbeschreiblichen Sternenhimmel sehr genossen. Hoffentlich klappt es bei euch das nächste Mal auch mit dem Abenteuer Canning Stock Route.
      Sonnige Grüsse,
      Marcel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.